SWG Kunstlexikon
ALFRED LÖRCHER
KUNSTWERKE ALFRED LÖRCHER
Selbstbildnis (1907), Schlafende Liegende (1913/14), Schreitendes Mädchen (1923/24), Sich anlehnende Frau (1926/27)
Reiter im Galopp (1946–1949), Springende Reiter (1953), Drei Schwimmerinnen am Start (1957), Menetekel (1957)
Konferenz am rechtwinkeligen Tisch (1959), Kleine Reiterinnengruppe (1960), Panik II & Panik III (1959/1960)
VIDEO ALFRED LÖRCHER
SWR Retro – Abendschau: Ausstellung des Bildhauers Alfred Lörcher 18.08.1960 | Besuch im Atelier des 85 Jahre alten Bildhauers Alfred Lörcher. | YouTube
BIOGRAFIE ALFRED LÖRCHER
Alfred Lörcher (Sohn eines Versicherungsdirektors) absolvierte nach dem Realgymnasium eine handwerkliche Lehre. Zahlreiche Studienreisen führten ihn nach Italien, Frankreich, Jugoslawien und in die USA. In der NS-Zeit erlitt er Repressionen wie ein Ausstellungsverbot (1936) und eine Amtsenthebung (1938), gilt jedoch als Nestor der süddeutschen Bildhauerei des 20. Jahrhunderts.
Geburtsjahr: 1875 (30. Juli)
Geburtsort: Stuttgart, Deutschland
Todesjahr: 1962 (26. März)
Sterbeort: Stuttgart, Deutschland
AUSBILDUNG ALFRED LÖRCHER
Besuch eines Realgymnasiums in Stuttgart
Praktische Lehre bei der kunstgewerblichen Werkstätte und Bronzegiesserei Paul Stutt in Stuttgart
Kunstgewerbeschule Karlsruhe
Vier Jahre an der Akademie der bildenden Künste in München bei den Lehrern Stuck und Hildebrand
LEHRTÄTIGKEIT ALFRED LÖRCHER
1919 Ernennung als Professor und Berufung an die Stuttgarter Kunstgewerbeschule
1938 Berufung an die dortige Akademie der bildenden Künste Stuttgart
Tätigkeit bis zum Kriegsende und danach temporär
MITGLIEDSCHAFTEN ALFRED LÖRCHER
Ordentliches Mitglied und ab 1961 Ehrenvorstand im Deutschen Künstlerbund.
AUSZEICHNUNGEN ALFRED LÖRCHER
1959 Villa-Romana-Preis
1960 Alfred Lörcher erhält den Großen Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen
SAMMLUNGEN ALFRED LÖRCHER
Staatgalerie Stuttgart | Schreitendes Mädchen |1923 / 1924
Städel Museum Frankfurt
Städtische Galerie Böblingen | Die Strumpfanziehende | 1935
Kunsthalle Recklinghausen | Revolutionszug |1957
Niedersächsische Landesgalerie Hannover |Panik III |1960
Kunsthalle Mannheim |1957
AUSSTELLUNGEN ALFRED LÖRCHER
1961 mit Ida Kerkovius in Karlsruhe
Regelmäßige Ausstellungsbeteiligungen im Deutschen Künstlerbund.
PROJEKTE ALFRED LÖRCHER
Der Grabstein (1927): Reformprojekt zur Erneuerung der Sepulkralkultur.
WERKBESCHREIBUNG ALFRED LÖRCHER
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Bildhauerei | Kleinplastiken, Skulpturen in Bronze und Terrakotta, Reliefs, Medaillen und Zeichnungen
STIL
Figurative Bildhauerei, Klassische Moderne, vom geschlossenen Volumen zum aufgelösten, vibrierenden Altersstil ab den 1950ern. Oft als „schwäbischer Maillol“ bezeichnet. Im Relief findet Alfred Lörcher zu einer neuen plastischen Formensprache. Radikale Vereinfachung und Rhythmisierung bei realer Grundage.
THEMEN | MOTIVE
Einzelfiguren, Figurengruppen, Liebespaare, Reiter- und Tiermotive
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Ausgehend von den Figurenreliefs romanischer Bronzetüren und auch von den Ornamenten des Jugendstils entwickelte Alfred Lörcher seine Terrakotta Reliefs. Die konzentrierte und dynamische Gesamtfiguration mit Lücken und freien Räumen und deren Ausrichtung hat dabei eine den einzelnen Figuren übergeordnete Bedeutung – im Auftraten des Menschen in der Masse ist die individuelle Selbstbestimmung kaum möglich | Alfred Lörcher hat einen Weg gefunden das Kernvolumen der Plastik aufzulösen und trotzdem die sichtbare Welt als Grundlage zu erhalten
STICHWORTE ALFRED LÖRCHER
Bildhauer, Medailleur, Stuttgart, Adolf von Hildebrand, schwäbischer Maillol, Kleinplastik, Terrakotta, Deutscher Künstlerbund
KÜNSTLERPORTRÄT ALFRED LÖRCHER
Alfred Lörcher (1875–1962): In Stuttgart geborener Bildhauer, Medailleur und bedeutender Hochschullehrer, der als einer der eigenständigsten Erneuerer der figürlichen Plastik im deutschen Südwesten gilt. Er absolvierte zunächst eine Ausbildung in einer Bronzegießerei, studierte an der Karlsruher Kunstgewerbeschule sowie an der Münchner Akademie bei Wilhelm von Rümann und entdeckte während eines prägenden Italienaufenthalts (1905) die archaische etruskische Kunst für sich. Diese Eindrücke inspirierten ihn zu einer Abkehr vom historisierenden Akademismus hin zu einer „organisch-kubischen Rundplastik“, die ihm später den Beinamen „Schwäbischer Maillol“ einbrachte. Ab 1919 leitete er als Professor eine einflussreiche Bildhauerklasse an der Stuttgarter Kunstgewerbeschule und lehrte ab 1941 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, wo er bis zum Kriegsende wirkte. Während der NS-Diktatur zog er sich zunehmend zurück und lebte ab 1941 in der inneren Emigration im Bottwartal. Seine produktivste und innovativste Schaffensphase erreichte er überraschend im Ruhestand nach 1945: Lörcher wandte sich von der monumentalen Einzelfigur ab und schuf dynamische, fast choreografisch rhythmisierte Figurengruppen, Kleinplastiken und Reliefs aus Terrakotta und Bronze. Diese späten Werkgruppen untersuchten das urbane Großstadtleben, die Bewegung von Menschenmassen sowie das räumliche Beziehungsgefüge im Dialog mit der Umwelt. Mit seinen späten Meisterwerken erlangte er höchste bundesweite Anerkennung, die in der Teilnahme an der documenta I (1955) und documenta II (1959) in Kassel gipfelte. Als wegweisender Pädagoge und Brückenbauer zwischen klassisch-figürlicher Strenge und moderner Raumkomposition legte Lörcher ein praktisches Fundament, das in den Sammlungen bedeutender Museen wie der Staatsgalerie Stuttgart und dem Museum Ludwig in Köln bis heute nachwirkt.
ZITATE ALFRED LÖRCHER
„… Lörcher wurde erst in seinem letzten Lebenjahrzehnt über die regionalen Grenzen hinaus wirklich bekannt; er gilt mit Recht als einer der Großen, weil sein kühn aufgelöster Altersstil auf überraschende Weise mit den Auflösungsstrukturen einer internationalen Spätzeit übereinstimmte. Die offenen, akkumulierenden Flächenrythmen seiner Reliefs seit Mitte der fünfziger Jahre errangen diesem Klassiker die Bewunderung der Progressiven.“ | Kurt Leonhard | 1966
LINKS ALFRED LÖRCHER
ALFRED LÖRCHER
KUNSTWERKE ALFRED LÖRCHER
Selbstbildnis (1907), Schlafende Liegende (1913/14), Schreitendes Mädchen (1923/24), Sich anlehnende Frau (1926/27)
Reiter im Galopp (1946–1949), Springende Reiter (1953), Drei Schwimmerinnen am Start (1957), Menetekel (1957)
Konferenz am rechtwinkeligen Tisch (1959), Kleine Reiterinnengruppe (1960), Panik II & Panik III (1959/1960)
VIDEO ALFRED LÖRCHER
SWR Retro – Abendschau: Ausstellung des Bildhauers Alfred Lörcher 18.08.1960 | Besuch im Atelier des 85 Jahre alten Bildhauers Alfred Lörcher. | YouTube
BIOGRAFIE ALFRED LÖRCHER
Alfred Lörcher (Sohn eines Versicherungsdirektors) absolvierte nach dem Realgymnasium eine handwerkliche Lehre. Zahlreiche Studienreisen führten ihn nach Italien, Frankreich, Jugoslawien und in die USA. In der NS-Zeit erlitt er Repressionen wie ein Ausstellungsverbot (1936) und eine Amtsenthebung (1938), gilt jedoch als Nestor der süddeutschen Bildhauerei des 20. Jahrhunderts.
Geburtsjahr: 1875 (30. Juli)
Geburtsort: Stuttgart, Deutschland
Todesjahr: 1962 (26. März)
Sterbeort: Stuttgart, Deutschland
AUSBILDUNG ALFRED LÖRCHER
Besuch eines Realgymnasiums in Stuttgart
Praktische Lehre bei der kunstgewerblichen Werkstätte und Bronzegiesserei Paul Stutt in Stuttgart
Kunstgewerbeschule Karlsruhe
Vier Jahre an der Akademie der bildenden Künste in München bei den Lehrern Stuck und Hildebrand
LEHRTÄTIGKEIT ALFRED LÖRCHER
1919 Ernennung als Professor und Berufung an die Stuttgarter Kunstgewerbeschule
1938 Berufung an die dortige Akademie der bildenden Künste Stuttgart
Tätigkeit bis zum Kriegsende und danach temporär
MITGLIEDSCHAFTEN ALFRED LÖRCHER
Ordentliches Mitglied und ab 1961 Ehrenvorstand im Deutschen Künstlerbund.
AUSZEICHNUNGEN ALFRED LÖRCHER
1959 Villa-Romana-Preis
1960 Alfred Lörcher erhält den Großen Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen
SAMMLUNGEN ALFRED LÖRCHER
Staatgalerie Stuttgart | Schreitendes Mädchen |1923 / 1924
Städel Museum Frankfurt
Städtische Galerie Böblingen | Die Strumpfanziehende | 1935
Kunsthalle Recklinghausen | Revolutionszug |1957
Niedersächsische Landesgalerie Hannover |Panik III |1960
Kunsthalle Mannheim |1957
AUSSTELLUNGEN ALFRED LÖRCHER
1961 mit Ida Kerkovius in Karlsruhe
Regelmäßige Ausstellungsbeteiligungen im Deutschen Künstlerbund.
PROJEKTE ALFRED LÖRCHER
Der Grabstein (1927): Reformprojekt zur Erneuerung der Sepulkralkultur.
WERKBESCHREIBUNG ALFRED LÖRCHER
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Bildhauerei | Kleinplastiken, Skulpturen in Bronze und Terrakotta, Reliefs, Medaillen und Zeichnungen
STIL
Figurative Bildhauerei, Klassische Moderne, vom geschlossenen Volumen zum aufgelösten, vibrierenden Altersstil ab den 1950ern. Oft als „schwäbischer Maillol“ bezeichnet. Im Relief findet Alfred Lörcher zu einer neuen plastischen Formensprache. Radikale Vereinfachung und Rhythmisierung bei realer Grundage.
THEMEN | MOTIVE
Einzelfiguren, Figurengruppen, Liebespaare, Reiter- und Tiermotive
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Ausgehend von den Figurenreliefs romanischer Bronzetüren und auch von den Ornamenten des Jugendstils entwickelte Alfred Lörcher seine Terrakotta Reliefs. Die konzentrierte und dynamische Gesamtfiguration mit Lücken und freien Räumen und deren Ausrichtung hat dabei eine den einzelnen Figuren übergeordnete Bedeutung – im Auftraten des Menschen in der Masse ist die individuelle Selbstbestimmung kaum möglich | Alfred Lörcher hat einen Weg gefunden das Kernvolumen der Plastik aufzulösen und trotzdem die sichtbare Welt als Grundlage zu erhalten
STICHWORTE ALFRED LÖRCHER
Bildhauer, Medailleur, Stuttgart, Adolf von Hildebrand, schwäbischer Maillol, Kleinplastik, Terrakotta, Deutscher Künstlerbund
KÜNSTLERPORTRÄT ALFRED LÖRCHER
Alfred Lörcher (1875–1962): In Stuttgart geborener Bildhauer, Medailleur und bedeutender Hochschullehrer, der als einer der eigenständigsten Erneuerer der figürlichen Plastik im deutschen Südwesten gilt. Er absolvierte zunächst eine Ausbildung in einer Bronzegießerei, studierte an der Karlsruher Kunstgewerbeschule sowie an der Münchner Akademie bei Wilhelm von Rümann und entdeckte während eines prägenden Italienaufenthalts (1905) die archaische etruskische Kunst für sich. Diese Eindrücke inspirierten ihn zu einer Abkehr vom historisierenden Akademismus hin zu einer „organisch-kubischen Rundplastik“, die ihm später den Beinamen „Schwäbischer Maillol“ einbrachte. Ab 1919 leitete er als Professor eine einflussreiche Bildhauerklasse an der Stuttgarter Kunstgewerbeschule und lehrte ab 1941 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, wo er bis zum Kriegsende wirkte. Während der NS-Diktatur zog er sich zunehmend zurück und lebte ab 1941 in der inneren Emigration im Bottwartal. Seine produktivste und innovativste Schaffensphase erreichte er überraschend im Ruhestand nach 1945: Lörcher wandte sich von der monumentalen Einzelfigur ab und schuf dynamische, fast choreografisch rhythmisierte Figurengruppen, Kleinplastiken und Reliefs aus Terrakotta und Bronze. Diese späten Werkgruppen untersuchten das urbane Großstadtleben, die Bewegung von Menschenmassen sowie das räumliche Beziehungsgefüge im Dialog mit der Umwelt. Mit seinen späten Meisterwerken erlangte er höchste bundesweite Anerkennung, die in der Teilnahme an der documenta I (1955) und documenta II (1959) in Kassel gipfelte. Als wegweisender Pädagoge und Brückenbauer zwischen klassisch-figürlicher Strenge und moderner Raumkomposition legte Lörcher ein praktisches Fundament, das in den Sammlungen bedeutender Museen wie der Staatsgalerie Stuttgart und dem Museum Ludwig in Köln bis heute nachwirkt.
ZITATE ALFRED LÖRCHER
„… Lörcher wurde erst in seinem letzten Lebenjahrzehnt über die regionalen Grenzen hinaus wirklich bekannt; er gilt mit Recht als einer der Großen, weil sein kühn aufgelöster Altersstil auf überraschende Weise mit den Auflösungsstrukturen einer internationalen Spätzeit übereinstimmte. Die offenen, akkumulierenden Flächenrythmen seiner Reliefs seit Mitte der fünfziger Jahre errangen diesem Klassiker die Bewunderung der Progressiven.“ | Kurt Leonhard | 1966
LINKS ALFRED LÖRCHER
ALFRED LÖRCHER
KUNSTWERKE ALFRED LÖRCHER
Selbstbildnis (1907), Schlafende Liegende (1913/14), Schreitendes Mädchen (1923/24), Sich anlehnende Frau (1926/27)
Reiter im Galopp (1946–1949), Springende Reiter (1953), Drei Schwimmerinnen am Start (1957), Menetekel (1957)
Konferenz am rechtwinkeligen Tisch (1959), Kleine Reiterinnengruppe (1960), Panik II & Panik III (1959/1960)
VIDEO ALFRED LÖRCHER
SWR Retro – Abendschau: Ausstellung des Bildhauers Alfred Lörcher 18.08.1960 | Besuch im Atelier des 85 Jahre alten Bildhauers Alfred Lörcher. | YouTube
BIOGRAFIE ALFRED LÖRCHER
Alfred Lörcher (Sohn eines Versicherungsdirektors) absolvierte nach dem Realgymnasium eine handwerkliche Lehre. Zahlreiche Studienreisen führten ihn nach Italien, Frankreich, Jugoslawien und in die USA. In der NS-Zeit erlitt er Repressionen wie ein Ausstellungsverbot (1936) und eine Amtsenthebung (1938), gilt jedoch als Nestor der süddeutschen Bildhauerei des 20. Jahrhunderts.
Geburtsjahr: 1875 (30. Juli)
Geburtsort: Stuttgart, Deutschland
Todesjahr: 1962 (26. März)
Sterbeort: Stuttgart, Deutschland
AUSBILDUNG ALFRED LÖRCHER
Besuch eines Realgymnasiums in Stuttgart
Praktische Lehre bei der kunstgewerblichen Werkstätte und Bronzegiesserei Paul Stutt in Stuttgart
Kunstgewerbeschule Karlsruhe
Vier Jahre an der Akademie der bildenden Künste in München bei den Lehrern Stuck und Hildebrand
LEHRTÄTIGKEIT ALFRED LÖRCHER
1919 Ernennung als Professor und Berufung an die Stuttgarter Kunstgewerbeschule
1938 Berufung an die dortige Akademie der bildenden Künste Stuttgart
Tätigkeit bis zum Kriegsende und danach temporär
MITGLIEDSCHAFTEN ALFRED LÖRCHER
Ordentliches Mitglied und ab 1961 Ehrenvorstand im Deutschen Künstlerbund.
AUSZEICHNUNGEN ALFRED LÖRCHER
1959 Villa-Romana-Preis
1960 Alfred Lörcher erhält den Großen Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen
SAMMLUNGEN ALFRED LÖRCHER
Staatgalerie Stuttgart | Schreitendes Mädchen |1923 / 1924
Städel Museum Frankfurt
Städtische Galerie Böblingen | Die Strumpfanziehende | 1935
Kunsthalle Recklinghausen | Revolutionszug |1957
Niedersächsische Landesgalerie Hannover |Panik III |1960
Kunsthalle Mannheim |1957
AUSSTELLUNGEN ALFRED LÖRCHER
1961 mit Ida Kerkovius in Karlsruhe
Regelmäßige Ausstellungsbeteiligungen im Deutschen Künstlerbund.
PROJEKTE ALFRED LÖRCHER
Der Grabstein (1927): Reformprojekt zur Erneuerung der Sepulkralkultur.
WERKBESCHREIBUNG ALFRED LÖRCHER
SCHWERPUNKTE | MEDIEN
Bildhauerei | Kleinplastiken, Skulpturen in Bronze und Terrakotta, Reliefs, Medaillen und Zeichnungen
STIL
Figurative Bildhauerei, Klassische Moderne, vom geschlossenen Volumen zum aufgelösten, vibrierenden Altersstil ab den 1950ern. Oft als „schwäbischer Maillol“ bezeichnet. Im Relief findet Alfred Lörcher zu einer neuen plastischen Formensprache. Radikale Vereinfachung und Rhythmisierung bei realer Grundage.
THEMEN | MOTIVE
Einzelfiguren, Figurengruppen, Liebespaare, Reiter- und Tiermotive
DEFINITION | BESCHREIBUNG | MERKMALE
Ausgehend von den Figurenreliefs romanischer Bronzetüren und auch von den Ornamenten des Jugendstils entwickelte Alfred Lörcher seine Terrakotta Reliefs. Die konzentrierte und dynamische Gesamtfiguration mit Lücken und freien Räumen und deren Ausrichtung hat dabei eine den einzelnen Figuren übergeordnete Bedeutung – im Auftraten des Menschen in der Masse ist die individuelle Selbstbestimmung kaum möglich | Alfred Lörcher hat einen Weg gefunden das Kernvolumen der Plastik aufzulösen und trotzdem die sichtbare Welt als Grundlage zu erhalten
STICHWORTE ALFRED LÖRCHER
Bildhauer, Medailleur, Stuttgart, Adolf von Hildebrand, schwäbischer Maillol, Kleinplastik, Terrakotta, Deutscher Künstlerbund
KÜNSTLERPORTRÄT ALFRED LÖRCHER
Alfred Lörcher (1875–1962): In Stuttgart geborener Bildhauer, Medailleur und bedeutender Hochschullehrer, der als einer der eigenständigsten Erneuerer der figürlichen Plastik im deutschen Südwesten gilt. Er absolvierte zunächst eine Ausbildung in einer Bronzegießerei, studierte an der Karlsruher Kunstgewerbeschule sowie an der Münchner Akademie bei Wilhelm von Rümann und entdeckte während eines prägenden Italienaufenthalts (1905) die archaische etruskische Kunst für sich. Diese Eindrücke inspirierten ihn zu einer Abkehr vom historisierenden Akademismus hin zu einer „organisch-kubischen Rundplastik“, die ihm später den Beinamen „Schwäbischer Maillol“ einbrachte. Ab 1919 leitete er als Professor eine einflussreiche Bildhauerklasse an der Stuttgarter Kunstgewerbeschule und lehrte ab 1941 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, wo er bis zum Kriegsende wirkte. Während der NS-Diktatur zog er sich zunehmend zurück und lebte ab 1941 in der inneren Emigration im Bottwartal. Seine produktivste und innovativste Schaffensphase erreichte er überraschend im Ruhestand nach 1945: Lörcher wandte sich von der monumentalen Einzelfigur ab und schuf dynamische, fast choreografisch rhythmisierte Figurengruppen, Kleinplastiken und Reliefs aus Terrakotta und Bronze. Diese späten Werkgruppen untersuchten das urbane Großstadtleben, die Bewegung von Menschenmassen sowie das räumliche Beziehungsgefüge im Dialog mit der Umwelt. Mit seinen späten Meisterwerken erlangte er höchste bundesweite Anerkennung, die in der Teilnahme an der documenta I (1955) und documenta II (1959) in Kassel gipfelte. Als wegweisender Pädagoge und Brückenbauer zwischen klassisch-figürlicher Strenge und moderner Raumkomposition legte Lörcher ein praktisches Fundament, das in den Sammlungen bedeutender Museen wie der Staatsgalerie Stuttgart und dem Museum Ludwig in Köln bis heute nachwirkt.
ZITATE ALFRED LÖRCHER
„… Lörcher wurde erst in seinem letzten Lebenjahrzehnt über die regionalen Grenzen hinaus wirklich bekannt; er gilt mit Recht als einer der Großen, weil sein kühn aufgelöster Altersstil auf überraschende Weise mit den Auflösungsstrukturen einer internationalen Spätzeit übereinstimmte. Die offenen, akkumulierenden Flächenrythmen seiner Reliefs seit Mitte der fünfziger Jahre errangen diesem Klassiker die Bewunderung der Progressiven.“ | Kurt Leonhard | 1966